ILU (I Love U) Massage (=Darmmassage)

Bei dem Wort “Massage” denke ich meistens an Entspannung oder die Erholung nach dem Sport. Also eher an eine Wellness- oder Sportmassage. Der Darm kommt mir und vermutlich auch dir da nicht als erstes Bild in den Kopf.

Der Darm ist ein langer Muskelschlauch der 24/7 den Inhalt weitertransportiert.

Eine Darmmassage unterstützt den Darm bei seinen Aufgaben.

Falls er mal ein wenig eingeschlafen ist, z.B. durch eine Verstopfung oder ähnliches, wird er durch die langsamen streichenden Bewegungen wieder zum Arbeiten angeregt. Genauso kannst du ihn bei Durchfall wieder beruhigen.

“Eine Darmmassage kann einen gereizten Darm beruhigen oder den Weitertransport des Inhalts fördern.”

Die Darmmassage hat einen gewissen Ablauf. Eine Eselsbrücke aus dem Englischen – I Love yoU ILU – soll dir beim merken der Reihenfolge helfen.

ILU Darmmassage

  1. Leg dich entspannt auf den Rücken. Stell beide Beine auf oder leg sie entspannt mit einem dicken Polster unter den Knien ab.
  2. Gib deine Hände links und rechts neben dem Bauchnabel auf den Bauch.
  3. Bleib ein paar Sekunden in dieser Position. Vor allem wenn du diese Massage bei jemanden anderen machst, kann so der Temperaturunterschied zwischen Hände und Bauch wahrgenommen werden.
  4. Streiche langsam mit deinen flachen Händen 10 mal im Uhrzeigersinn über den Bauch. TIPP: Creme oder Öl macht das meist angenehmer.
  5. “I” – Nimm deine Daumen oder stelle die Fingerspitzen nebeneinander. Mit sanftem Druck in die Tiefe streichst du jetzt langsam vom linken Rippenbogen zum linken Beckenknochen. Teile die Strecke in 3-5 Abschnitte. Die Streichbewegung ist der Wischbewegung am Smartphone sehr ähnlich, aber sie geht zusätzlich in die Tiefe. Wiederhole das “I” 10 mal.
  6. “L” – Vom rechten Rippenbogen zum linken Rippenbogen und weiter zum linken Beckenknochen. Teile die Strecke wieder in 3-5 Streichungen für “-” und für “I” und fertig ist das “L”. Wiederhole diesen Schritt wieder 10 mal.
  7. “U” – Vom rechten Beckenknochen zum rechten Rippenbogen “I”, dann vom rechten Rippenbogen zum linken Rippenbogen “-” und weiter zum linken Beckenknochen “I” und fertig ist das “U”. Teile jeden Abschnitt der Strecke wieder in 3-5 Streichungen Wiederhole diesen Schritt wieder 10 mal.
  8. Zum Abschluss streichst du wieder langsam mit deinen flachen Händen 10 mal im Uhrzeigersinn über den Bauch. 

Je nach Beschwerde kannst du diese Darmmassage 1-2mal täglich machen oder 1-2mal wöchentlich.

Gib deinem Körper ausreichend Bewegung, Flüssigkeit durchs Trinken von Wasser und achte auf eine ausgewogene Wahl der Lebensmittel. So unterstützt du dein Verdauungssystem bei seinen Aufgaben.

Weicher Stuhl in der Unterhose trotz „stopfenden“ Lebensmitteln? Warum dein Kind unbemerkt in die (Unter-)Hose macht

Dein Kind verliert Stuhl unbeabsichtigt oder es bemerkt nicht, dass seine (Unter-)Hose voll wird – hier erfährst du mehr zu den Hintergründen und Ursachen.

von Einkoten – Stuhl in der Unterhose – Enkopresis

Bei einem gesunden Darm spürst du, wann er sich entleeren will. Du hast genügend Zeit eine Toilette aufzusuchen, erledigst dein großes Geschäft und machst weiter mit deinem Alltag.

Was aber, wenn deine Unterhose völlig überraschend einfach mit Kot beschmiert wird. Wenn dein Darm sich unbemerkt entleert. Wenn dir oder deinem Kind (ab 4 Jahren) das im Zeitraum von 3-6 Monaten mindestens 1x pro Monat passiert, nennt man das Einkoten (oder Enkopresis). Dabei spielt es keine Rolle, welche Konsistenz der Stuhl hat.

Es gibt verschiedene Arten des Einkotens. Heute möchte ich dir etwas vom Einkoten mit Verstopfung erzählen, die häufigste Form (Enkopresis mit Opstipation).

Verstopfung kommt bei 1/4 der Kinder irgendwann einmal vor. Wenn eine Verstopfung nicht bemerkt oder behandelt wird, kann es sein, dass der Stuhl im Darm immer fester und härter wird. Der Darm wird immer seltener entleert und schließlich kommt es zum Einkoten.


Was?!? – Einkoten mit weichem Stuhl und gleichzeitig eine Verstopfung – wie soll das denn bitte gehen?

Nehmen wir mal an dein Darm meldet sich immer zu einer bestimmten Uhrzeit am Vormittag. Ich möchte bitte entleert werden. Du bist da aber immer in der Schule und dort gefällt dir die Toilettensituation überhaupt nicht. Sie ist alles andere als einladend um dort zu entspannen, es gibt kein Fenster und du fürchtest dich vor den Kommentaren über Klogerüche von der Person die nach dir aufs Klo geht. Es ist einfach eiskalt, es stinkt nach Rauch oder es stresst dich, dass der Sitznachbar alles mithört. Bei Kindergartenkindern ist es vielleicht die Angst, dass überraschend jemand die Türe aufreißt oder etwas ganz anderes hält dich davon ab, deinem Darm jetzt zu erlauben sich zu erleichtern. Auch in den darauffolgenden Stunden oder vielleicht Tagen ist einfach immer so viel los, dass der erlösende Besuch des WC’s, warum auch immer, aufgeschoben wird – (1. Verstopfung).

Verstopfung-Harter Stuhl-Schmerzhafter Stuhlgang-Stuhlverhalten-Darmerweiterung-Verlust der Darmsensibiltät-Einkoten
  1. Verstopfung
  2. Harter Stuhl
  3. Schmerzhafter Stuhlgang
  4. Stuhlverhalten (neue Verstopfung….)
  5. Darmerweiterung
  6. Verlust der Darmsensibilität
  7. Einkoten = unbemerkter Darmüberlauf

Harter Stuhl (2.)

Die Aufgabe des Dickdarms ist es Flüssigkeit aus dem Speisebrei wieder aufzunehmen. Das macht er auch noch im Enddarm. Je länger der Speisebrei hier verweilt, desto fester wird die Masse und so wird der Stuhl von Stunde zu Stunde härter.

Schmerzhafter Stuhlgang (3.)

Solltest du die Möglichkeit haben dann doch das WC aufzusuchen, ist das Absetzen dieses härteren Stuhls etwas unangenehmer, evtl. vielleicht sogar schmerzhaft. Vielleicht unterbrichst du den Besuch am WC auch vorzeitig und hoffst darauf das es beim nächsten mal besser „flutscht“.

Stuhlverhalten (4.) – neue Verstopfung, (1-4) etc.

Da der Besuch des WC’s beim letzten Mal schmerzhaft war, meidest du immer häufiger diese Situation. Du lenkst dich vielleicht mit einem vermehrten Anspannen deiner Beckenbodenmuskulatur ab (Druck erzeugt Gegendruck). Denn du hoffst so den Stuhlgang, der höchst wahrscheinlich wieder schmerzhaft ist, zu umgehen.

Darmerweiterung (5.)

Leider startet die Abwärtsspirale aber so nur von neuem (1.-4.). Aber da jetzt noch mehr Stuhlmasse dazukommt, macht dein Darm die einzige Möglichkeit die er hat. Wenn die Masse nicht weniger wird muss das Abflussrohr seinen Umfang erweitern.

Verlust der Darmsensibilität (6.)

Da du bisher das Dranggefühl erfolgreich ignoriert oder abgewehrt hast, machen auch deine Nerven eine Veränderung mit: Sie werden weniger sensibel. Sie gewöhnen sich an die neuen Druckverhältnisse und melden von nun an immer später, dass dein Darm sich entleeren möchte.

Einkoten = unbemerkter Darmüberlauf (7.)

Wenn jetzt eine neue Stuhlmasse hinzu kommt, drängelt diese sich quasi an den sehr festen Stücken vorbei. Dein Beckenboden, der es mittlerweile gewohnt ist, dass er sich erst öffnen muss, wenn ein gewisser harter Druck besteht, merkt gar nicht, dass da noch mehr Stuhl gekommen ist. Vielleicht schummelt sich der weiche Stuhl bei einem Pups hinaus. Vielleicht lässt dein Beckenboden, der sonst immer mit voller Kraft den harten Stuhl zurück hält, plötzlich ein bisschen locker und dann passiert es. Die Unterhose wird voll gemacht.


Mama/Papa, woher kommt das Kacka?

Aufklärungsarbeit ist der erste Schritt um das Problem zu beheben. Jetzt kennst du dich besser aus, wie es von der Verstopfung zum Einkoten kommt.

Wie erklärst du dieses Phänomen deinem Kind?

Hier eine kleine Anregung – mit Material das du zuhause hast kannst du den Dünndarm, Dickdarm und den Anus nachbauen. Errätst du was die Autos und Motorräder darstellen?

Ich vergleiche den weichen Stuhl, der sich nach vorne vorbei drängt gerne mit den Motorrädern auf den italienischen Straßen. Die drängeln sich auch nach vorne durch. Oftmals düsen die auch schon los bevor die Ampel auf grün ist.


Wie kommt es dazu? – weitere Ursachen

In Studien fand man heraus, dass bei 63% der Kinder die Einkoten, das Problem schon begann, bevor sie 3 Jahre alt sind. Chronische Verstopfung ist meist die Folge auf ein akutes Stuhlproblem, das nicht richtig gehandhabt wurde. Risikofaktoren für einen unregelmäßigen, harten Stuhl sind vielfältig. Sie reichen von schlechter Ernährung- zu wenig Zeit für einen Toilettenbesuch, frühere schmerzhafte Stuhlabgaben bis zum falschen Ausscheidungsverhalten (Pressen).

Einige wenige Kinder koten ohne vorherige Anzeichen oder Geschichte einer Verstopfung ein. Ein ärztliche Abklärung gibt Aufschluss über andere Ursachen und Erkrankungen (Medikamente, Erkrankungen des Darms, etc.).


Stuhlprobleme bei Kindern werden unterschätzt und sehr leicht übersehen


Eine aktuelle Studie (2019) bestätigt wie wichtig es ist, dass Eltern und Kinder über das Problem von Verstopfung und seinen Folgen aufgeklärt werden.

Das Problem – der Großteil der Kinder mit Verstopfung gaben im Vergleich zu den gesunden Kindern zwar an, dass ihre Ausscheidungen anders sind, aber sie alle bewerteten sie als „GUT“ oder „SEHR GUT“. Wenn sie selber etwas Bemerkten, wendete sich fast die Hälfte nicht an eine Vertrauensperson.

Eine Verstopfung zu erkennen ist manchmal wirklich schwer, weil die Hälfte der betroffenen Kinder hatte eine „normale“ STUHLHÄUFIGKEIT (3x täglich bis 3x wöchentlich) und eine „normale“ KONSISTENZ.

Was Fakt bleibt, ist dass das Problem der Verstopfung bei Kindern weit verbreitet ist. Da viele keine Hilfe suchen wird das Problem unterschätzt und kann zu weiteren führen. Eines davon kann das Einnässen sein.


Wie kann ich eine Verstopfung vorbeugen? Was kann ich bei einer Verstopfung tun?

  • Trinken – Achte auf ausreichendes regelmäßiges Trinken, im Idealfall pures Wasser.
  • Bewegung – Regelmäßige gemütliche Bewegung regt die Darmaktivität an, auch Singen zählt als Bewegung ;-).
  • Toilettengestaltung – Sorge für ein angenehmes Raumklima, mach das WC zu einem Ort an dem man sich gerne aufhält.
  • Ernährung – Achte auf eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung – geh mit gutem Beispiel voran.
  • Stress – finde Wege um Stress zu vermeiden, schaffe Möglichkeiten um über stressige Situationen und Erlebnisse zu sprechen und halte genug Freiraum im Tagesverlauf der mit „nichts-tun“ verplant ist.
  • Toilettenroutine – Hetze nicht zur Toilette und lass dir am WC ausreichend Zeit. Plane Zeit für Toilettenpausen, wenn du einen Ausflug machst.
  • Haltung am WC – Mit baumelnden Füßen kannst du schwer locker lassen, gib deinen Füßen eine stabile Fläche auf der sie sich abstellen können. Mach deinen Rücken für das große Geschäft rund.
  • Lass los – Entspanne deinen Mund und Kiefer. Atme ruhig und langsam aus während der Stuhl deinen Körper verlässt.
  • Schreib dir eine Notiz – Entweder in einen gedanklichen Merkzettel oder du machst einen kleinen Vermerk in deinem Kalender – vielleicht ein Sternchen oder ähnliches – so kannst du auch Wochen oder Monate später noch feststellen ob dein Kind zum ersten Mal eine Verstopfung hat oder es bereits das dritte Mal in 5 Monaten ist.
  • Hol dir medizinische Hilfe wenn die Verstopfung öfters vorkommt – ärztlicher Rat und Abklärung sind auch bei Verstopfung keine Schande, nimm rechtzeitig Hilfe in Anspruch.

Woran erkenne ich das mein Kind eine Verstopfung hat? – Typische Merkmale eine Verstopfung bei Kindern

Die folgenden Punkte sind ein möglicher Hinweis auf eine Verstopfung bei deinem Kind.

  • trockener und/oder harter Stuhlgang der schwer rauskommt oder sogar schmerzhaft ist
  • Bauchschmerzen
  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen
  • mehr als 3 Tage ohne Stuhlgang
  • Einkoten/Stuhlschmieren – (Durchfall-ähnlicher oder normaler Stuhl in der Unterhose = Enkopresis)
  • wenig bis kein Appetit
  • Gefühl der Abgeschlagenheit, müde, matt
  • Dein Kind vermeidet es die Toilette aufzusuchen.
  • Bettnässen


Du hast eine Frage ?– Schreib sie mir doch in die Kommentare.


Quellen

Originalbeitrag unter https://aylinknapp.com/2020/11/23/enkopresis-einkoten-stuhl-in-der-unterhose/

Ursachen für das Einnässen – Teil 2

Weitere Ursachen warum dein Kind einnässt – von ADH Mangel, Fehlbildungen, medizinischen Erkrankungen, neurologischen und psychische Störungen

Im vorherigen Beitrag hab‘ ich dir erzählt, wie trinken einen Einfluss auf die Blase und das Einnässen haben kann. Manche davon sorgen für ein Einnässen auch am Tag, andere hauptsächlich nachts. In diesem Beitrag kommen weitere Ursachen dazu, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge der Aufzählung ist wahllos angeordnet.


Inhaltsverzeichnis

  • ADH (antidiuretische Hormon)
  • Fehlbildungen oder Entzündungen des Harntrakts/Harnblase
  • Störung der Innervation der Blase
  • Verstopfung im Darm
  • Der Beckenboden kann nicht entspannen (Sphinkter-Detrusor-Dysfunktion)
  • Vorbeugende WC Gänge (Dranginkontinenz)
  • Das Spielen ist einfach zu spannend (Harninkontinenz bei Miktionsaufschub)
  • Extremes Lachen (Giggle-Inkontinenz)
  • Urinverlust beim Husten, Niesen oder Sport (Stressinkontinenz)
  • Diabetes
  • Sexueller Missbrauch
  • Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD)
  • Psychosoziale Faktoren
  • Vererbung – genetische Prädospition
  • Körperhaltung
  • Spannung im Beckenboden
  • Autonomes Nervensystem
  • Körperwachstum
  • Fußfehlhaltung

ADH (antidiuretisches Hormon)

Dieses Hormon wird im Gehirn gebildet. Genauer gesagt in der Hirnanhangdrüse. Es sorgt dafür, dass dein Körper nachts im Schlaf weniger Urin erzeugt. Die Nieren filtern zwar weiterhin das Blut, aber es wird mehr Wasser wieder zurück aufgenommen als ausgeschieden. Deshalb ist der Morgenurin auch deutlich konzentrierter als der Tagesurin. Von medizinischer Seite spricht man davon, dass der Körper zirka ab dem 3. Lebensjahr diesen “Nachtmodus” ausführen kann. Das heißt, es wird ausreichend ADH gebildet und während dem Schlafen weniger Harn gebildet, den die Blase sammeln soll.

Kinder, die also einen ADH Mangel haben, produzieren nachts gleich viel Urin wie tagsüber. Sie sind außerdem sehr schwer bis nicht erweckbar. Die volle Blase schafft es hier nicht den Körper aufzuwecken und rechtzeitig zum WC zu schicken.

Fehlbildungen oder Entzündungen des Harntraktes/Harnröhre

Die Blase ist von einer Schicht umgeben, welche sie an Ort und Stelle haltet. Diese hat eine Verbindung zum Nabel und zum Schambein. Während der Entwicklung als Embryo kann es vorkommen, dass sich diese Schicht nicht vollständig verschließt. Es kann daher sein, dass zum Beispiel immer wieder wenige Tropfen Urin in der Unterhose sind, weil der Harn über diese Öffnung abfließt. Es sind auch andere Fehlmündungen oder Verengungen eine mögliche Ursache.

Bei Entzündungen des Harntraktes kann der Ringmuskel vielleicht nicht ausreichend das Blasentor verschließen und so kommt es zum unfreiwilligen Harnverlust.

Störung der Innervation der Blase

Jedes Organ wird über Nervenbahnen mit Befehlen versorgt, quasi eine Leitung. Im Falle der Blase gibt die Leitung Informationen an das Gehirn und den Beckenboden weiter. Ich werde immer voller, ich muss mich bald entleeren, ich explodiere gleich, bitte das Blasentor öffnen, ich brauche wieder mehr Platz für neuen Urin, bitte aufwachen, usw.

In manchen Fällen ist diese Leitung gekappt. Beispielsweise bei einer Querschnittlähmung oder Myelomeningocele (MMC), die auch als Spina bifida oder offener Rücken bekannt ist.

Verstopfung im Darm

Eine massive Verstopfung heißt, dass eine große Kotmenge im Enddarm ist. Darm und Blase sind über Faszien (=Bindegewebsschichten) miteinander verbunden. Wird der Durchmesser des Enddarms über längere Zeit erhöht, ändert sich die Spannung in diesem Bindegewebe. Der Verschluss der Blase kann so eventuell schwerer werden oder vielleicht auch nicht mehr ausreichend gemacht werden. Bevor man daher das Einnässen behandelt, muss in diesem Fall der Darm und seine Verstopfung zuerst behandelt werden.

Der Beckenboden kann nicht entspannen (Sphinkter-Detrusor-Dysfunktion)

Eine Störung in der Koordination zwischen dem Schließmuskel und der Blasenwand. Der Schließmuskel, der sich bei der Entleerung öffnen sollte, kann nicht ausreichend entspannt werden. Deshalb wird die Blase nicht komplett entleert und etwas Urin bleibt in ihr zurück. Das nennt man Restharn. Dieser Restharn macht es Bakterien und Viren leichter sich zu vermehren, was unter Umständen zu einer Blasenentzündung führen kann. So muss der Betroffene vielleicht sogar noch öfter aufs WC, hat aber nie das Gefühl entleert zu sein. Weitere Folgen könnten Schmerzen, ein ungewollter Urinverlust (=Überlaufinkontinenz) bis zu einem Rückstau in die Nieren sein.

Vorbeugende WC Gänge (Dranginkontinenz)

Wenn dein Kind recht häufig (mehr als 7 mal täglich) wegen kleiner Mengen zur Toilette muss, spricht man von einer Dranginkontinenz. Ein “vorbeugender” WC Besuch, wie du ihn vlt. vor einem Ausflug machst, kann langfristig dazu führen, dass du dir eine kleine Blase antrainierst. Je häufiger du solche “vorbeugenden” WC Besuche machst, desto wahrscheinlicher entwickelt sich eine Dranginkontinenz. Es kann unter Umständen sogar so weit gehen, dass der Schließmuskel dauerhaft stark angespannt wird. Dann kommt es zu ein bisschen “Mehr-Anspannung”, weil der Druck der Blase größer wird. Plötzlich lässt der Schließmuskel seine ganze Spannung komplett aus und der Urin läuft einfach raus.

Das Spielen ist einfach zu spannend (Harninkontinenz bei Miktionsaufschub)

Das Buch ist gerade so spannend, das Spiel kann gerade nicht unterbrochen werden oder sonst ein GANZ wichtiger Grund, der wichtiger ist, als das Gefühl einer vollen Blase. Es wird dann rumgezappelt, die Oberschenkel zusammengepresst, auf die Fersen gesessen, die Hände gegen die Blase gedrückt, bis es plötzlich zu spät ist. Die Blase kann sich nicht mehr weiter dehnen und “explodiert”.

Extremes Lachen (Giggle-Inkontinenz)

Beim Lachen wird die Muskulatur im Bauch, Rücken und Beckenboden sehr rasch angespannt und entspannt. Bei manchen Kindern kommt die Schließmuskulatur da nicht mehr mit, lässt locker und der Urin läuft aus.

Urinverlust beim Husten, Niesen oder Sport (Stressinkontinenz)

Bei einem plötzlichen Druckanstieg im Bauchraum muss die Muskulatur des Beckenbodens gegenhalten. Manch ein Nieser, Huster oder Sprung/Stoß oder sonst was beim Sport ist da vielleicht zu viel. Die Körperöffnungen sind da die Schwachstellen. Die Schließmuskeln der Blase können dem Druck um Bauchraum nicht standhalten und der Harn geht ungewollt ab.

Diabetes

Es gibt mehrere Arten von Diabetes. Das Trinken von mehreren Litern Wasser sowie die gesteigerte Harnausscheidung können Anzeichen dafür sein. Ebenso das Einnässen am Tag oder nachts.

Sexueller Missbrauch

Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, haben häufig auch Funktionsstörungen am Beckenboden. Das Einnässen bei Tag oder Nacht kann eine Folge davon sein.

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD)

Nach traumatischen Erfahrungen insbesondere in den ersten Lebensjahren kann das Einnässen zu einen der Folgen zählen. In einer Zeit in der viele Kinder aus Kriegsgebieten flüchten, sollte man auch diese Ursache für das Einnässen beachten und entsprechende Hilfe anbieten.

Psychosoziale Faktoren

Veränderungen im Familienverband können auch ein Auslöser für das Einnässen sein. Die Geburt eines Geschwisterkindes, ein Umzug, ein Todesfall in der Familie, die Trennung der Eltern und weitere Gründe.

Vererbung – genetische Prädospition

Es gibt kein Gen, das für das Einnässen zuständig ist. Aber Einnässen an sich kommt häufig in der Großfamilie vor. Ein Elternteil oder ein Onkel oder eine Tante die ebenfalls als Kind eingenässt haben. Für Kinder steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ebenfalls betroffen sind.

Körperhaltung

Eine starke Beckenvorneigung sorgt für ein Hohlkreuz. Vorne am Bauch werden daher die Haut und Muskelschichten stärker gedehnt. Auf dem Rücken werden die Muskulatur und Hautschichten verkürzt. Unter Umständen werden die Nerven, die die Blase steuern nicht so gut versorgt und können daher die Befehle nicht so verlässlich weiterleiten.

Diese veränderte Beckenstellung beeinflusst die Haltung des gesamten Körpers. Der Beckenboden bekommt durch die veränderte Beckenstellung auch eine andere Spannungsverteilung. Stell dir vor du liegst in einer Hängematte die an einem Gestell befestigt ist. Wenn beide Aufhängungen auf derselben Höhe sind kann dein Körper sich relativ flach hinlegen und der Druck verteilt sich gleichmäßig zur Mitte hin. Ist eine Seite jedoch höher, „verschiebt“ sie alles in die andere Richtung. Das Liege-Erlebnis ist da nicht dasselbe. Wenn du plötzlich in der Hängematte zu rutschen beginnst oder dein Popo am Boden streift obwohl du entspannt liegen und schwingen möchtest.

Spannung im Beckenboden

Verletzungen am Steißbein oder anderen Knochen des Beckens können einen Einfluss auf die Faszien und Muskulatur des Beckenbodens haben. Die Muskulatur gerät so eventuell aus dem Gleichgewicht und kann ihre Aufgabe, das Verschließen der Harnröhre, nicht mehr verlässlich ausüben.

Autonomes Nervensystem

Die Beckenorgane stehen unter einem großen Einfluss des autonomen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus). Der Parasympathikus sorgt dafür, dass sich die Blase ab einem bestimmten Füllstand zusammenzieht. Sind die Fasern des Parasympathikus im Kreuzbeinbereich “überreizt”, kann es zu einer verfrühten Blasenentleerung kommen.

Körperwachstum

Bei großen, aber auch kleineren Wachstumsschüben verändert sich die Länge von allen Körperstrukturen. Manch ein Kind wird bei größeren Schüben schon mal etwas tollpatschig und stolpert vielleicht öfters. Der Beckenboden kann auch betroffen sein und deshalb kommt es vielleicht überraschend wieder zu einer nassen Hose oder einem nassen Bett.

Fußfehlhaltung

Stehen die Füße nicht im Lot, hat das einen Einfluss auf den restlichen Körper. Denk an das Beispiel vom schiefen Turm von Pisa. Sind die Füße daher nicht mittig eingestellt, passt sich der restliche Körper an. Jeder Schritt muss vom Becken abgefangen werden und wenn da die Muskulatur nicht im Gleichgewicht ist, hat das auch Auswirkungen auf den Beckenboden.

Das waren jetzt echt viele Ursachen warum dein Kind einnässen könnte, aber längst noch nicht alle. Da das Thema sehr komplex ist, braucht es mehrere Berufsgruppen, die deinem Kind helfen können. Die Untersuchung bei der Kinderärztin / beim Kinderarzt steht dabei an erster Stelle.


Was kannst du tun, wenn du einnässt?

  • Wende dich an deine/n (Kinder-)Ärztin/Arzt – Es wird eine Anamnese erhoben, eine körperliche Untersuchung durchgeführt und wenn nötig die entsprechenden Therapieschritte eingeleitet. Vielleicht wirst du zur Physiotherapie, Psychologie oder zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus geschickt.
  • Erstelle ein Miktionsprotokoll – führe Buch über die Trink- und Harnmenge sowie Zeitpunkt und Ort
  • Physiotherapie: Nach einer Anamnese und körperlichen Untersuchung wird gemeinsam ein Therapieplan erstellt. Die Maßnahmen richten sich je nachdem, was im Befund auffällig war.
  • Psychologie: Psychische Probleme können sowohl die Ursache als auch die Folge vom Einnässen sein. Eine mentale Unterstützung und Problemlösung auf psychologischer Ebene sind wichtig und sehr wertvoll.

Du willst meine Unterstützung und meinen Rat – melde dich bei mir.


Was mache ich als Physiotherapeutin in der Therapie bei Kindern die Einnässen? – Was erwartet dich in der Therapie

  • Blasenprotokoll
  • Wahrnehmungsübung
  • Mobilisationen – aktiv oder viszeral
  • BeBo Training – detonisieren, bewusst aktivieren
  • Fuß+Mundarbeit
  • GGW Training
  • Entspannungstechniken – durch die Physiotherapeutin oder in Anleitung als Eigentraining
  • sonstiges aus dem Befund

Quellen:

http://www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/kliniken_institute/urologie/pat_info/kinderurologie/inhalte_kinderurologie_krankheitsbilder/ abgerufen am 26.01.2021

https://acamh.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jcpp.12622 abgerufen am 26.01.2021

https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Nur-ein-Psychologe-auf-eine-Million-Menschen-308369.html abgerufen am 26.01.2021

https://www.kinderarzt.at/kindergesundheit/lexikon/bettn%C3%A4ssen-und-einn%C3%A4ssen-enuresis abgerufen am 19.01.2021

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/erkrankungen/kontrolle-der-blase-und-des-darms/ursachen-einnaessen-tags/ abgerufen am 19.01.2021

https://www.netdoktor.de/krankheiten/diabetes-mellitus/diabetes-bei-kindern/ abgerufen am 27.01.2021


Ursachen für das Einnässen – Teil 1


Mein Kind macht nachts ins Bett – ist doch normal – (oder?)

Diesen Satz wirst du wohl kaum von irgendwem mit Stolz geschwellter Brust von den Dächern schreien hören. Selbst wenn das Bett dann mehrere Nächte in Folge trocken ist gibst du eher deinem Kind ein knallendes „high five“, dass die Handflächen nur so brennen, aber einen Boomerang in den Sozialen Medien postest du dazu sicher nicht.

Warum eigentlich nicht? Erfolgsgeschichten mag doch jeder.

Den meist mühsamen Weg dorthin mit all seinen Höhen und Tiefen will aber kaum einer zeigen. Schon gar nicht bei einem Tabuthema. Eine Sache die uns peinlich ist und unserem Kind erst Recht. Die Privatsphäre deines Kindes gilt es zu schützen, denn das Internet vergisst nie.

Trotzdem möchte ich dir heute etwas mehr zu diesem Thema erzählen. Warum?
Weil ich mutig bin? Nein, ab und zu, aber würde es mein Kind betreffen, würde ich seine Privatsphäre schützen. Das tun wir als Mama und Papa. Das ist unsere Aufgabe, unsere Pflicht. Natürlich. Nur helfen tun wir unserem Kind leider auch nicht, wenn wir mit niemanden darüber sprechen.

Das dein Kind noch tagsüber oder nachts ins Bett macht, ist bis zum Alter von 5 Jahren normal. So „normal“, dass in jeder 1. Klasse Volksschule mindestens 2 Kinder sitzen, die betroffen sind.


In jeder 1. Klasse Volksschule sind 2 Kinder, die nachts einnässen.

Aber die beiden wissen gar nichts voneinander.

Sie wissen auch nicht, dass sie im selben Raum mit einem Kind sind, das gerade sehr ähnliches durchlebt.

Beide wollen eigentlich nicht mehr in einem nassen Bett aufwachen. Sie haben die Nase voll von den Windeln.

Keiner von den beiden weiß, dass es noch jemanden gibt, der auch noch nie trocken war.

Jemand, der auch in der Nacht von einem Elternteil als Schlafender aufs WC gesetzt wird.

In der 3. Klasse betrifft es dann nur mehr 7% (1 von 25 Kindern).


Ich berate dich gerne damit auch dein Kind tags und nachts trocken wird.


Was kannst du tun? Einfach warten bis die Zeit vergeht? Wer kann helfen?

Ich habe mich genau zu diesem Thema spezialisiert. Es kommen Kinder und Eltern zu mir, die nicht länger im Stillen leiden wollen. Egal ob nasse Hose oder ein trockenes Bett – genau da kann ich euch unterstützen.

Leider kursieren im Internet noch viele Berichte, dass die Ursache rein psychisch ist. Eine seelische Belastung ist eine nasse Hose oder Bett für fast alle Betroffenen. Die psychischen Auffälligkeiten sind aber zumeist eine Folge und nicht der Auslöser.


Kinder, die Einnässen trinken meist viel zu wenig


Eine der Ursachen ist, dass dein Kind zu wenig trinkt. – Wie soll denn das gehen?

Zu wenig trinken und trotzdem geht was in die Hose oder ins Bett? – Ja du hast richtig gelesen.

Sehr häufig haben die Kinder, die zu mir kommen eine kleinere Blase, als sie in ihrem Alter haben sollten und das nicht nur ein bisschen kleiner, sondern häufig nur 1/3 der Größe.

Warum?

Gestartet hat das ganze vielleicht damit, dass das Spielen einfach so viel spannender war, als zum Klo zu gehen.

Das Prinzip weniger trinken, dann muss ich weniger oft aufs Klo. Das verstehen schon Dreijährige, also wird einfach weniger getrunken. Dann muss sich die Blase tagsüber nie wirklich füllen.

Am Abend meldet sich dann der Durst. Der Körper will sein Flüssigkeitsdefizit ausgleichen.

Dann wird von vielen Kindern meist mehr getrunken als tagsüber.

Die Blase kann dann den Urin, der in der Nacht produziert wird, schon zu einem gewissen Maß sammeln, aber irgendwann ist Schluss und sie kann sich nicht mehr weiter dehnen und muss sich entleeren.

Die Folge – bereits in der Nacht ein nasses Bett.


Also was ist die Lösung? Weniger trinken – sicher nicht.


Der Körper braucht die Flüssigkeit, um alle seine Aufgaben zu erfüllen. Wenn er zu wenig Wasser bekommt, leidet er unter Konzentrationsstörungen, hartem Stuhl, das Blut wird dickflüssiger, usw. – das sind alles unerwünschte zusätzliche Herausforderungen.

Was ist die eigentliche Lösung – trink den Großteil schon vor 17 Uhr, also regelmäßig über den ganzen Tag verteilt.

So kann die Blase sich immer wieder ausdehnen. Sie kann so auch altersgemäß mitwachsen.

Außerdem erhält dein Körper immer wieder in kleinen Dosen Flüssigkeit.

Wird diese schön über den Tag verteilt aufgenommen, hat der Körper die besten Voraussetzungen um seine Arbeit zu tun.

Starte mit der Maßnahme des regelmäßigen Trinkens sobald dein Kind Wasser erhält – also erst ab der Einführung der Beikost. Geh mit gutem Beispiel voran.

Weitere Ursachen warum Kinder einnässen, erfährst du im nächsten Beitrag.


Du denkst dein Kind hat auch eine zu kleine Blase?

Du lebst in Österreich und möchtest meine Unterstützung als Physiotherapeutin? Melde dich bei mir. +43 699 17166672


Denn das kleine und große Geschäft deines Kindes, ist mein Geschäft. 😉

Warum ich mein Kind ab Geburt auf den Bauch lege

Zusammenfassung – 7 Fakten über die Bauchlage

Originalbeitrag erschienen bei Verena Schmalz am 01. September 2020

Was möchte ich (euch) zum Thema Bauchlage weitergeben? Welche Erfahrung habe ich aus meiner Arbeit in der Praxis als Physiotherapeutin? Was ist meine Meinung als Kinderphysiotherapeutin und Mutter? Gibt es Studien und wissenschaftliche Überlegungen zur Bauchlage?

Fakt Nr. 01 Bauchlage darf man ab dem ersten Tag machen

Die erste Bewegung des Neugeborenen findet in Bauchlage statt. Gelenkt durch Reflexe, kann das Neugeborene am Bauch entlang zu den Brustwarzen kriechen. Diese Phänomen ist auch bekannt als „Breast Crawl“. Der reifgeborene Säugling ist quasi mit allem ausgestattet um ab der 1. Stunde in Bauchlage an der mütterlichen Brust zu trinken.

Fakt Nr. 02 Bauchlage ist für alle Säuglinge wichtig

Die Bauchlage fördert die Selbstwahrnehmung. Aufgrund des Körperbaus von Säuglingen fällt die Atmung in Bauchlage deutlich leichter. Das Zwerchfell kann in dieser Position besser arbeiten. Die Bauchlage hilft bei Verdauungsbeschwerden.

Fakt Nr. 03 Bauchlage fördert die motorische Entwicklung

Die Bauchlage ist ein wichtiger Bestandteil der motorischen Entwicklung. In Bauchlage wird die Rücken- wie auch die Bauchmuskulatur gestärkt. Die Qualität der Bewegung ist entscheidend für alle Bewegungen die auf der Rücken- und Bauchlage aufbauen. Rumpfkräftigungsübungen im Kinder und Erwachsenenalter sprechen genau diese Muskulatur an und wollen verlerntes wieder aufwecken.
Warum also dann warten bis der Körper größer und schwerer wird? Die Einstellung und Sprache der Eltern zur Bauchlage hat einen Einfluss auf die Reaktion des Kindes.

Fakt Nr. 04 Bauchlage beugt Kopfverformungen vor

In Rücken- und Bauchlage sollte der Kopf von Geburt an frei zu beiden Seiten passiv gedreht werden können. Kopfverformungen können bereits in den ersten Lebenswochen durch einseitige Lagerungen enstehen. Sie haben einen Einfluss auf das Auge, das Kiefergelenk und die Nerven die Schädellöcher passieren. Im Langzeiteffekt zeigt sich, dass ca. 40% der betroffenen Kinder in ihrer Schulzeit speziellen Förder- und/oder Therapiebedarf haben. Die Aussage „Das verwächst sich noch” würde ich immer hinterfragen.

Bildquelle: Aylin Knapp privat

Fakt Nr. 05 Bauchlage hemmt Reflexe

Angeborene Fremdreflexe werden von einer bewussten Bewegung abgelöst, wenn der Säugling ausreichend Chancen hat eine bestimmte Bewegung aktiv zu machen. Dies muss in einem gewissen Zeitfenster geschehen, sonst werden Teile davon in die nächste Stufe der Entwicklung mitgenommen. In der Bauchlage werden folgende integriert (abgebaut): der TLR rückwärts bzw. vorwärts (Tonische Labyrinth Reflex) sowie der ATNR – asymmetrisch tonischer Nackenreflex.

Fakt Nr. 06 Bauchlage fördert die Feinmotorik

Die Feinmotorik der Finger benötigt eine gute Basis. Diese kommt durch die richtige Position der Schultern und der Brustwirbelsäule. Ein Säugling lernt in der Bauchlage seine Brustwirbelsäule ausreichend zu strecken und den Schultergürtel richtig zu positionieren. So kann der Arm weiterlaufend in eine gute Stützposition kommen. Liegt ein Kind aber hauptsächlich in Rückenlage und hat seine Arme seitlich abgelegt (wie ein U) – kommt der Schultergürtel nicht in die optimale Position, die Muskulatur kann sich nicht ausbilden.

Fakt Nr. 07 Bauchlage ist cool

Zu uns Kinderphysiotherapeutinnen kommen immer mehr Kinder, die Folgen von zu wenig Bauchlage im ersten Lebensjahr zeigen. Dazu zählen: spätes Erreichen von motorische Meilensteinen, eine schlechte Position des Schultergelenks, ein Ungleichgewicht in der Halsmuskulatur, lagebedingte Kopfverformungen und das Bestehen von Restreflexen. So manch ein Hilfsmittel trägt auch zu diesen negativen Veränderungen bei.
Studien belegen – der Einfluss der Bauchlage auf den Körper kann mit nichts ersetzt werden!

Bildquelle: Aylin Knapp privat

Praktische Tipps für die Bauchlage:

Leg dir dein Kind auf deinen Oberkörper, trage es mit Blick über die Schulter, im Fliegergriff auf deinem Unterarm.
Leg es quer oder längs über deine Oberschenkel, leg es in einer anderen kreativen sicheren Variante der Bauchlage auf eine feste Unterlage – je aufrechter, desto weniger muss gegen die Schwerkraft gearbeitet werden – vor allem für den Anfang sicher eine gute Option
Das Effektivste ist und bleibt die Bauchlage auf einer ebenen stabilen Unterlage!
Beginne mehrmals täglich mit der Bauchlage ab Geburt.
Lass dein Kind so lange in dieser Position, wie es deinem Kind Freude bereitet.
Wenn dein Kind offensichtlichen Unmut äußert – beruhige es mit sanfter ruhiger Stimme, sprich mit ihm, nimm es zu dir hoch. Es geht nicht darum dein Kind um jeden Preis an eine Position zu gewöhnen.
PS: Falls du Bedenken hast oder medizinische Gründe vorliegen, die eine Bauchlage derzeit nicht möglich machen, sprich dich mit dem medizinischen Fachpersonal ab und hole dir ärztlichen Rat.

Der Blogartikel ist bei meiner Kollegin Verena Schmalz erschienen. Hier geht es zum gesamten Artikel.

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