Ursachen für das Einnässen – Teil 1


Mein Kind macht nachts ins Bett – ist doch normal – (oder?)

Diesen Satz wirst du wohl kaum von irgendwem mit Stolz geschwellter Brust von den Dächern schreien hören. Selbst wenn das Bett dann mehrere Nächte in Folge trocken ist gibst du eher deinem Kind ein knallendes „high five“, dass die Handflächen nur so brennen, aber einen Boomerang in den Sozialen Medien postest du dazu sicher nicht.

Warum eigentlich nicht? Erfolgsgeschichten mag doch jeder.

Den meist mühsamen Weg dorthin mit all seinen Höhen und Tiefen will aber kaum einer zeigen. Schon gar nicht bei einem Tabuthema. Eine Sache die uns peinlich ist und unserem Kind erst Recht. Die Privatsphäre deines Kindes gilt es zu schützen, denn das Internet vergisst nie.

Trotzdem möchte ich dir heute etwas mehr zu diesem Thema erzählen. Warum?
Weil ich mutig bin? Nein, ab und zu, aber würde es mein Kind betreffen, würde ich seine Privatsphäre schützen. Das tun wir als Mama und Papa. Das ist unsere Aufgabe, unsere Pflicht. Natürlich. Nur helfen tun wir unserem Kind leider auch nicht, wenn wir mit niemanden darüber sprechen.

Das dein Kind noch tagsüber oder nachts ins Bett macht, ist bis zum Alter von 5 Jahren normal. So „normal“, dass in jeder 1. Klasse Volksschule mindestens 2 Kinder sitzen, die betroffen sind.


In jeder 1. Klasse Volksschule sind 2 Kinder, die nachts einnässen.

Aber die beiden wissen gar nichts voneinander.

Sie wissen auch nicht, dass sie im selben Raum mit einem Kind sind, das gerade sehr ähnliches durchlebt.

Beide wollen eigentlich nicht mehr in einem nassen Bett aufwachen. Sie haben die Nase voll von den Windeln.

Keiner von den beiden weiß, dass es noch jemanden gibt, der auch noch nie trocken war.

Jemand, der auch in der Nacht von einem Elternteil als Schlafender aufs WC gesetzt wird.

In der 3. Klasse betrifft es dann nur mehr 7% (1 von 25 Kindern).


Ich berate dich gerne damit auch dein Kind tags und nachts trocken wird.


Was kannst du tun? Einfach warten bis die Zeit vergeht? Wer kann helfen?

Ich habe mich genau zu diesem Thema spezialisiert. Es kommen Kinder und Eltern zu mir, die nicht länger im Stillen leiden wollen. Egal ob nasse Hose oder ein trockenes Bett – genau da kann ich euch unterstützen.

Leider kursieren im Internet noch viele Berichte, dass die Ursache rein psychisch ist. Eine seelische Belastung ist eine nasse Hose oder Bett für fast alle Betroffenen. Die psychischen Auffälligkeiten sind aber zumeist eine Folge und nicht der Auslöser.


Kinder, die Einnässen trinken meist viel zu wenig


Eine der Ursachen ist, dass dein Kind zu wenig trinkt. – Wie soll denn das gehen?

Zu wenig trinken und trotzdem geht was in die Hose oder ins Bett? – Ja du hast richtig gelesen.

Sehr häufig haben die Kinder, die zu mir kommen eine kleinere Blase, als sie in ihrem Alter haben sollten und das nicht nur ein bisschen kleiner, sondern häufig nur 1/3 der Größe.

Warum?

Gestartet hat das ganze vielleicht damit, dass das Spielen einfach so viel spannender war, als zum Klo zu gehen.

Das Prinzip weniger trinken, dann muss ich weniger oft aufs Klo. Das verstehen schon Dreijährige, also wird einfach weniger getrunken. Dann muss sich die Blase tagsüber nie wirklich füllen.

Am Abend meldet sich dann der Durst. Der Körper will sein Flüssigkeitsdefizit ausgleichen.

Dann wird von vielen Kindern meist mehr getrunken als tagsüber.

Die Blase kann dann den Urin, der in der Nacht produziert wird, schon zu einem gewissen Maß sammeln, aber irgendwann ist Schluss und sie kann sich nicht mehr weiter dehnen und muss sich entleeren.

Die Folge – bereits in der Nacht ein nasses Bett.


Also was ist die Lösung? Weniger trinken – sicher nicht.


Der Körper braucht die Flüssigkeit, um alle seine Aufgaben zu erfüllen. Wenn er zu wenig Wasser bekommt, leidet er unter Konzentrationsstörungen, hartem Stuhl, das Blut wird dickflüssiger, usw. – das sind alles unerwünschte zusätzliche Herausforderungen.

Was ist die eigentliche Lösung – trink den Großteil schon vor 17 Uhr, also regelmäßig über den ganzen Tag verteilt.

So kann die Blase sich immer wieder ausdehnen. Sie kann so auch altersgemäß mitwachsen.

Außerdem erhält dein Körper immer wieder in kleinen Dosen Flüssigkeit.

Wird diese schön über den Tag verteilt aufgenommen, hat der Körper die besten Voraussetzungen um seine Arbeit zu tun.

Starte mit der Maßnahme des regelmäßigen Trinkens sobald dein Kind Wasser erhält – also erst ab der Einführung der Beikost. Geh mit gutem Beispiel voran.

Weitere Ursachen warum Kinder einnässen, erfährst du im nächsten Beitrag.


Du denkst dein Kind hat auch eine zu kleine Blase?

Du lebst in Österreich und möchtest meine Unterstützung als Physiotherapeutin? Melde dich bei mir. +43 699 17166672


Denn das kleine und große Geschäft deines Kindes, ist mein Geschäft. 😉

Warum ich mein Kind ab Geburt auf den Bauch lege

Zusammenfassung – 7 Fakten über die Bauchlage

Originalbeitrag erschienen bei Verena Schmalz am 01. September 2020

Was möchte ich (euch) zum Thema Bauchlage weitergeben? Welche Erfahrung habe ich aus meiner Arbeit in der Praxis als Physiotherapeutin? Was ist meine Meinung als Kinderphysiotherapeutin und Mutter? Gibt es Studien und wissenschaftliche Überlegungen zur Bauchlage?

Fakt Nr. 01 Bauchlage darf man ab dem ersten Tag machen

Die erste Bewegung des Neugeborenen findet in Bauchlage statt. Gelenkt durch Reflexe, kann das Neugeborene am Bauch entlang zu den Brustwarzen kriechen. Diese Phänomen ist auch bekannt als „Breast Crawl“. Der reifgeborene Säugling ist quasi mit allem ausgestattet um ab der 1. Stunde in Bauchlage an der mütterlichen Brust zu trinken.

Fakt Nr. 02 Bauchlage ist für alle Säuglinge wichtig

Die Bauchlage fördert die Selbstwahrnehmung. Aufgrund des Körperbaus von Säuglingen fällt die Atmung in Bauchlage deutlich leichter. Das Zwerchfell kann in dieser Position besser arbeiten. Die Bauchlage hilft bei Verdauungsbeschwerden.

Fakt Nr. 03 Bauchlage fördert die motorische Entwicklung

Die Bauchlage ist ein wichtiger Bestandteil der motorischen Entwicklung. In Bauchlage wird die Rücken- wie auch die Bauchmuskulatur gestärkt. Die Qualität der Bewegung ist entscheidend für alle Bewegungen die auf der Rücken- und Bauchlage aufbauen. Rumpfkräftigungsübungen im Kinder und Erwachsenenalter sprechen genau diese Muskulatur an und wollen verlerntes wieder aufwecken.
Warum also dann warten bis der Körper größer und schwerer wird? Die Einstellung und Sprache der Eltern zur Bauchlage hat einen Einfluss auf die Reaktion des Kindes.

Fakt Nr. 04 Bauchlage beugt Kopfverformungen vor

In Rücken- und Bauchlage sollte der Kopf von Geburt an frei zu beiden Seiten passiv gedreht werden können. Kopfverformungen können bereits in den ersten Lebenswochen durch einseitige Lagerungen enstehen. Sie haben einen Einfluss auf das Auge, das Kiefergelenk und die Nerven die Schädellöcher passieren. Im Langzeiteffekt zeigt sich, dass ca. 40% der betroffenen Kinder in ihrer Schulzeit speziellen Förder- und/oder Therapiebedarf haben. Die Aussage „Das verwächst sich noch” würde ich immer hinterfragen.

Bildquelle: Aylin Knapp privat

Fakt Nr. 05 Bauchlage hemmt Reflexe

Angeborene Fremdreflexe werden von einer bewussten Bewegung abgelöst, wenn der Säugling ausreichend Chancen hat eine bestimmte Bewegung aktiv zu machen. Dies muss in einem gewissen Zeitfenster geschehen, sonst werden Teile davon in die nächste Stufe der Entwicklung mitgenommen. In der Bauchlage werden folgende integriert (abgebaut): der TLR rückwärts bzw. vorwärts (Tonische Labyrinth Reflex) sowie der ATNR – asymmetrisch tonischer Nackenreflex.

Fakt Nr. 06 Bauchlage fördert die Feinmotorik

Die Feinmotorik der Finger benötigt eine gute Basis. Diese kommt durch die richtige Position der Schultern und der Brustwirbelsäule. Ein Säugling lernt in der Bauchlage seine Brustwirbelsäule ausreichend zu strecken und den Schultergürtel richtig zu positionieren. So kann der Arm weiterlaufend in eine gute Stützposition kommen. Liegt ein Kind aber hauptsächlich in Rückenlage und hat seine Arme seitlich abgelegt (wie ein U) – kommt der Schultergürtel nicht in die optimale Position, die Muskulatur kann sich nicht ausbilden.

Fakt Nr. 07 Bauchlage ist cool

Zu uns Kinderphysiotherapeutinnen kommen immer mehr Kinder, die Folgen von zu wenig Bauchlage im ersten Lebensjahr zeigen. Dazu zählen: spätes Erreichen von motorische Meilensteinen, eine schlechte Position des Schultergelenks, ein Ungleichgewicht in der Halsmuskulatur, lagebedingte Kopfverformungen und das Bestehen von Restreflexen. So manch ein Hilfsmittel trägt auch zu diesen negativen Veränderungen bei.
Studien belegen – der Einfluss der Bauchlage auf den Körper kann mit nichts ersetzt werden!

Bildquelle: Aylin Knapp privat

Praktische Tipps für die Bauchlage:

Leg dir dein Kind auf deinen Oberkörper, trage es mit Blick über die Schulter, im Fliegergriff auf deinem Unterarm.
Leg es quer oder längs über deine Oberschenkel, leg es in einer anderen kreativen sicheren Variante der Bauchlage auf eine feste Unterlage – je aufrechter, desto weniger muss gegen die Schwerkraft gearbeitet werden – vor allem für den Anfang sicher eine gute Option
Das Effektivste ist und bleibt die Bauchlage auf einer ebenen stabilen Unterlage!
Beginne mehrmals täglich mit der Bauchlage ab Geburt.
Lass dein Kind so lange in dieser Position, wie es deinem Kind Freude bereitet.
Wenn dein Kind offensichtlichen Unmut äußert – beruhige es mit sanfter ruhiger Stimme, sprich mit ihm, nimm es zu dir hoch. Es geht nicht darum dein Kind um jeden Preis an eine Position zu gewöhnen.
PS: Falls du Bedenken hast oder medizinische Gründe vorliegen, die eine Bauchlage derzeit nicht möglich machen, sprich dich mit dem medizinischen Fachpersonal ab und hole dir ärztlichen Rat.

Der Blogartikel ist bei meiner Kollegin Verena Schmalz erschienen. Hier geht es zum gesamten Artikel.

Designed mit Canva – Bildquelle: Aylin Knapp privat